Moritz Meerkat – das Leben eines Katers

Tagebuch eines Weltenthronbeherrschers

Vierbeiner im Vorgarten

Posted by moritzmeerkat - 8. November 2008

how it smells freedom?

Die Terrassentür stand einen Spaltbreit offen. Ich setzte mich in einiger Entfernung zur Tür hin und beobachtete meinen Menschen. Gerade war der Umzug abgeschlossen und im Wohnzimmer lichtete sich das Chaos zunehmend. Meine ‚Kletterwand’ lag nun wieder im Schlafzimmer auf dem Bettgestell und die Kartons in der Küche wurden immer weniger.
Es war heute der dritte oder der vierte Tag in der neuen Nachbarschaft und ich beschloss, dass es nun langsam Zeit wäre mich in Szene zu setzten.

Ich schaute noch einmal an mir herunter, stellte dabei fest, dass mein Fell irgendwie durchwuselt war. Vor dem Flurspiegel wollte ich mich zurecht machen als ich auch schon das Quietschen der Terrassentür hörte. Mit wenigen schnellen Schritten schlüpfte ich durch die Beine meines Zweibeiners und durch den Türschlitz hinaus in den Garten.
Ich hörte erst ein Gemurmel dann heftiges Gemecker, doch ich hatte mich für einen Rundgang entschieden und schaute kühl über meine Schulter und rief kurz und knapp: „Miau“ und ich trottete einfach weiter.

Auf dem Mauervorsprung, welcher unser Grundstück vom Nachbarn trennte, saß eine ordinäre dreifarbige Hauskatze. Ihre grünen Augen beobachteten mich und als würde es mir nichts ausmachen, setzte ich mich ganz frech vor die Mauer (das bedeutet: zwischen die Rosenbüsche) und begrüßte die Fremde wie es sich für wohlerzogene Katzen gehört.
„Tach, bin neu hier.“
„Ähä.“
„Wer bist du?“, wollte ich nun wissen.
„Geht dich nix an aber ich sage es dir trotzdem. Mein Name ist Minki, bin hier vom Hof. Und du?“
„Ich bin Oxana, diese Woche mit meinem Dosenöffner eingezogen.“, entgegnete ich.
So saßen wir uns gegenüber und schwiegen uns einige Sekunden an, bis Minki sich aufsetzte und: „Pst, eine Maus – da drüben.“ flüsterte.
„Was bitte schön ist eine Maus?“, fragte ich verwundert.
Minki sprang von der Mauer und beim vorbeischleichen schaute sie mich irritiert an und tippte mir an die Stirn.
„Bist nicht vom Lande, was? !“
„Nein, ich bin eine Perserkatze mit Zuchtpreis und so, warum?“, nun war ich etwas irritiert.
„Kennst aber Mücken?“
„Natürlich kenne ich Fliegen, für wie blöd hältst du mich?“
„Oxana, darauf gebe ich dir keine Antwort. Ich muss los – Abendessen besorgen.“
„Moment, was heißt Abendessen besorgen? Hast du keinen Dosenöffner?“
„Nein.“
„Und wie machst du deine Konservendosen auf?“, fragte ich erstaunt.
„Wir sind nicht in der Großstadt. Hier auf dem Land muss eine Katze für sich selbst sorgen und ganz besonders auf einem Bauernhof.“
„Darf ich dich begleiten?“, fragte ich die scheinbar ordinäre Hauskatze und kam ihr ein Stück näher und fing mir sogleich ein heftiges Fauchen und einen harten Pfotenschlag ein.
„Man, bist du ekelig.“, sagte ich schmollend und drehte ihr den Rücken zu.
„Na gut, wenn du mir folgen willst dann bleib fünfzehn Schritte hinter mir.“, sagte Minki im etwas versöhnlichen Ton und sprang wieder auf die Mauer. Ich sprang hinterher und folgte ihr in einem angemessenem Abstand.

Maus? Was um alles in der Welt ist eine Maus? Und wieso haben die keinen Dosenöffner? Das waren brennende Fragen die mir durch den Kopf gingen während ich Minki quer über den Bauernhof folgte.
„Hier durch.“, befehligte die Katze und ich folgte gehorsam der Anweisung, schlüpfte durch einen Zaun und betrat einen großen grünen Vorgarten. Mit weit aufgerissenen Augen und offenem Maul starrte ich in die Weite und konnte kaum fassen was ich sah.
Da standen große Vierbeiner mit braunen Flecken auf dem Fell und großen braunen Kulleraugen und lustig wackelnden Ohren.
„Das sind Kühe.“
„Ach was.“, gab ich zurück und versuchte meine Unwissenheit zu überspielen.
„Mmmmuuhhhh.“, hörte ich und legte mich vor Schreck ganz flach auf das weiche Gras.
„Brauchst keine Angst zu haben. Die machen nix.“
„Als hätte ich Angst? !“, und schon stand ich wieder. Langsam ging ich auf die Kuh zu. Irgendwie war mir nicht wohl bei der Sache, aber Minki war da und ich hoffte, dass sie meine zittrigen Beine nicht bemerkte.
„Sag’ mal Oxana, kannst du jagen?“
„Erwischt.“, gab ich ehrlich zu, „Nein, kann ich nicht. Oder besser gesagt, ich glaube nicht, dass ich es kann.“
„Weißt du wenigstens was das ist?“
„Aber sicher weiß ich das.“
„Ok, ich seh’ schon. Soll ich es dir beibringen?“
„Ja, das wäre ein feiner Zug von dir.“
„Also, gut. Pass auf was ich tu‘ und mach’ es dann nach.“
Ich stakte durch das hohe Gras und setze mich im dezenten Abstand neben sie und beobachtete, wie die Katze die Vorführung einer Jagdszene darbot.
„Wichtig ist, dass du die Beute nicht aus den Augen verlierst. Hast du das kapiert?“, ich nickte: „Dann musst du dich ganz flach auf den Boden legen, in etwa so.“, sie legte sich auf den Boden und berührte ihn nur knapp mit ihrem Bauch: „Dann musst du mit den Hinterbeinen hin und her tippeln und um Gottes Willen mach’ keine Geräusche dabei. Wenn du dich mental auf deine Beute eingestellt hast springst du nach vorn, packst sie im Nacken und schüttelst was das Zeug hält. Verstanden?“, ich nickte wiederum, aber hatte nicht verstanden was sie mir erzählte. „Ich zeig dir jetzt wie das geht.“ Und schon wackelte sie mit ihrem Hintern und ich musste laut anfangen zu lachen.
„Das sieht ja bescheuert aus.“, prustete ich los und Sekunden später verspürte ich einen Schlag im Nacken.
Ich duckte mich demütig, legte mich auf den Boden, drehte mich auf den Rücken und bat um Verzeihung.
Ohne ein weiteres Wort legte sich Minki in Lauerposition, wackelte mit dem Hinterteil und ich versuchte diesmal nicht zu lachen.

Es dauerte eine Weile, bis ich das Jagen einigermaßen beherrschte. Minki fragte mich auf dem Nachhauseweg, ob ich wüsste wie man Fische aus einem Fluss fängt. Auf meine Frage, was ein Fisch wäre, fing sie an zu lachen und schüttelte den Kopf, aber das ist eine andere Geschichte.

Reneè Hawk ©Juni 2002

Dosenöffner verstehen lernen … Eine weitere Oxana-Geschichte

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11 Antworten to “Vierbeiner im Vorgarten”

  1. wortman said

    Herrliche Geschichte und so viel Wahrheit drin. Du solltest viel mehr solcher Geschichten machen.

    Ich kann Oxana aber auch verstehen… ich grinz auch immer, wenn ich so eine hüftwackelnde Katze/Kater in Lauerstellung sehe :)

  2. moritzmeerkat said

    meine Zweibeinerin hat mir versprochen, dass sie noch meine Lieblingsgeschichte von Oxana und Minki postet, aber, so sagt sie, dass wird noch dauern, weil noch kein Weihnachten ist und so lange müsst ihr euch auch gedulden, sagt sie …

    weißt du eigentlich, dass die Oxana in der Geschichte eigentlich der Merlin ist? *zwinker*

  3. wortman said

    dann lass ich mich mal überraschen, wenn die weihnachtsgeschichte online kommt ;)

    danke für den tipp moritz, aber das mit „merlin“ wusste ich schon :) das hat mir deine zweibeinerin schon bei der ersten geschichte erzählt ;)

  4. moritzmeerkat said

    *hehe* naja, ich dachte, dass ich was neues erzähle *öhmpf*

  5. wortman said

    tja… so kann es manchmal gehn ;)

  6. Sany said

    süüüüüüüüüüüüüß :)

  7. freidenkerin said

    Vielen Dank für die schöne Geschichte. Die Smokey ist ja nun leider etwas beleibt und immer, wenn sie auf der Lauer liegt, um z. B. eine Fliege zu fangen, und dann mit dem Hintern so hin und her schwänzelt, kann ich mir das Lachen nicht verkneifen.

    Chefin Smokey: Ich bin nicht beleibt! Ich habe eine ausgesprochen wohlgeformte Statur. Und wenn du deinen – äh, hm – Popo zu fetziger Rockmusik hin und her wuchtest und das Tanzen nennst, zerreißt es mich schier vor Lachen!

  8. moritzmeerkat said

    gell Smokey unsere Zweibeiner sind doch manchmal ziemlich witzig *hihi*

  9. paleica said

    ich mag deine geschichten.
    und ich komme mit der nachricht – vielleicht werde ich irgendwann mal wieder präsenter im blog..!

  10. moritzmeerkat said

    ;-)) mit sicherheit wirst du dich wieder im bloggeschehen tummeln, es brauch alles sein zeit ;-)) *schnurrschnurr*

  11. […] Oxana-Geschichten zum schmunzeln: Vierbeiner im Vorgarten Dosenöffner verstehen […]

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